Isolierhülle für Filmentwicklerdose

Oder: Wie hält man die Temperatur bei der Filmentwicklung konstant


Was macht man, wenn die Raumtemperatur nicht bei 20°C, sondern vielleicht bei 28°C liegt, wie es an warmen Sommertagen vorkommen kann? Füllt man die Dose mit 250ml Entwickler bei 20°C, dann ist nach 15 min die Temperatur auf 25°C hochgelaufen. Entwickelt man dann mit der Zeit, die für 20°C gilt, dann ist der Film rettungslos überentwickelt.

Man könnte jetzt meinen, man benutzt die alte Regel, pro Grad Temperaturdifferenz zu 20°C Entwicklungszeit 10% kürzer, oder steigt in Diagramme ein, die eine reduzierte Entwicklungszeit für diverse Temperaturen angeben, dann könnte man im Entwicklungsergebnis besser werden.

Die Erfahrung ist aber, dass diese Rechnerei mit Faktoren, zu denen vielleicht noch Verlängerungsfaktoren kommen, wenn man mit Mehrfachentwicklern arbeitet, eine Suche mit der Stange im Nebel ist. Man
erreicht damit keinesfalls das angestrebte Entwicklungsergebnis.

Nun gibt es in alten Quellen die Empfehlung, dann in einer größeren Schüssel z. B. 10 l Wasser mit 20°C anzusetzen, und die Dose nach dem Kippen immer wieder ins Wasserbad zu stellen. Probiert man das einmal aus, so wird man zwei Probleme feststellen: Die Dose steht nicht stabil, insbesondere eine 500 ml Dose, in der in 250ml ein 135-er Film entwickelt wird, kann man nicht vernünftig stellen. Um jetzt den Bewegungsrhythmus konstant zu halten, müsste man die Dose immer wieder beschweren. Außerdem läuft auch die Temperatur dieses Wasserbads und des Entwicklers weg, und am Ende steht man in einer Pfütze von der ganzen Panscherei. Das Entwicklungsergebnis ist also alles andere als vorhersagbar.


Was tun?

Die Idee kam mir vor einigen Jahren: Ich packe die Dose wärmeisoliert ein. Und dieses hatte durchschlagenden Erfolg. Inzwischen ist der Faktor Temperaturabweichungen zu 1 geworden, es gibt bei mir keine Abweichungen mehr zu der Standardtemperatur von 20°C.

Eine passende Wärmeisolierung kann man nicht kaufen, hier ist Selbstbau angesagt. Und wie das bei technischen Entwicklungen so ist, gibt es nach einer Weile mehrere Generationen des Produkts.

Deshalb hier zwei Bauanleitungen:


Die Wärmeisolierung aus einer handelsüblichen Isomatte, wie sie beim Zelten benutzt wird. Der Bau ist einfach, hat fast dieselben Eigenschaften wie:

Die Wärmeisolierung aus einer Styropor-Platte, aufwendiger im Bau, aber vielleicht noch idealer im Isolierverhalten und langlebiger. 

Die drei Versionen für eine 500 ml  Kippdose:
Links Nr. 2 als Verbesserung von Nr. 1 (Mitte) und der Isomattenversion Nr. 3 (mit vorläufigem Kopf, später verbessert, s. Bauanleitung)
Auf die Umhüllung mit Alufolie kann man eigentlich verzichten. Theoretisch wird damit der Wäremaustausch mit der Umgebung minimiert, bei den vorhandenen Temperaturdifferenzen kann man den Einfluss auf das Gesamtverhalten aber vergessen.
Die Aufnahme zeigt einen Test: In jeder Dose steht ein 1/2 l  Yoghurt-Becher, gefüllt mit Wasser von 36°, bei einer Lufttemperatur von 16°. Nach 20 min im Herbstwind 2005 auf dem Balkon war die Wassertemperatur in Dose 1 und 3 um 1,6 K gefallen, in Dose 2 um 1,4 K, das sind 12,5% weniger. Die Temperaturveränderung (-verlust) war also ca. 0,08  K/min bei einer Temperaturdifferenz von ca. 20 K. In der Praxis werden wir keine 20 K Temperaturdifferenz haben, nicht im Wind stehen, und nur selten 20 min erreichen.  Die Temperaturänderungen in der Dose sollten also deutlich geringer ausfallen.


Das Einjustieren der Wärmeschutzhülle

Das Ansetzen des Entwicklers.



Version: 1.1  Copyright: Rolf Süßbrich, Dortmund, 23. 01. 2011