Film-Entwicklerarten und -konzentration


Pulverentwickler

Entwickler können wir in zwei Konfektionierungen kaufen: Als Pulverentwickler oder als Flüssigkonzentrat.

Die meisten Pulverentwickler können als Mehrfachentwickler benutzt werden. Man benutzt sie also in der maximalen Konzentration (Stammkonzentration), also so, wie nach Anleitung angesetzt. Nach dem Entwickeln schüttet man den Entwickler wieder in die Aufbewahrungsflasche zurück. Da bei jeder Entwicklung etwas Entwicklersubstanz verbraucht wird, sinkt die verfügbare Entwicklerkonzentration mit jeder Entwicklung ab. Die Gebrauchsanleitungen schreiben deshalb eine Verlängerung der Entwicklungszeit pro Entwicklung vor, meistens sind es 10%. Also :10 11 12,1 13,3 14,6 16,1, ... min.

Meine Erfahrungen mit dieser Methode sind schlecht. Theoretisch lassen sich mit dieser Methode bis zu 10 Filme pro Liter Entwickler entwickeln. Aber spästestens nach dem fünften Film wird die 10% Verlängerungsmethode sehr ungenau. Es gibt Leute, die benutzen 1l Entwickler deshalb nur für maximal vier Filme. Überdies lässt sich (teil-)benutzter Entwickler nicht mehr lange aufbewahren. Außerdem sind bei einigen Filmen, z.B. Ilford, die Entwicklungszeiten, insbesondere bei höheren Temperaturen, bei frischem Entwickler so kurz, das ein genaues Einhalten der Zeit nur schwer möglich ist. Ich vermeide deshalb die Verwendung von Entwicklern in der Stammkonzentration. Für die Verwendung sprechen nur zwei Dinge: Will man Filme „pushen“, also empfindlichkeitssteigernd entwickeln, dann muss man schon konzentriert arbeiten. Und um feineres Korn zu erreichen, muss man wohl mit hoher Entwicklerkonzentration (Stammkonzentration) das Korm „kleindrücken“.


Verdünnung

Ich ziehe die Verwendung von Einmalentwicklern vor. Fast jeder Pulverentwickler kann durch Verdünnung zum Einmalentwickler umfunktioniert werden. Die Gebrauchsanleitungen geben deshalb oft Verdünnungen im Verhältnis 1+1 oder 1+3 an, aber man kann natürlich auch in anderen Verhältnissen verdünnen, z.B. 1+2. Mit 1+ 3 hat man die Konzentration schon auf ¼ der Stammkonzentration gedrückt. Dieses ist für Filme mit 400 ASA manchmal schon für eine ausreichende Entwicklung zu gering. Versuche sind also angesagt.

Die Verdünnung ist sehr konstant einstellbar: Die notwendige Entwicklermenge E (die Gebrauchsanleitung der Dosen gibt darüber eine Aussage, bei manchen Dosen steht es auf dem Boden, meist sind es 250ml für einen Kleinbildfilm (135), 500ml für zwei 135-Filme oder Rollfilme(120)) wird zusammengemischt aus 1 Teil Entwickler + n Teile Wasser.


Grundmenge Stammkonzentrat für 1 +

Erforderliche Gesamtmenge Entwickler

1 + 1

1 + 2

1 + 3

250 ml

125 ml

85 ml

65 ml

500 ml

250 ml

170 ml

125 ml


Wer jetzt mit dem spitzen Bleistift nachrechnet, sieht, dass die Werte aufgerundet sind. Warum? 83,3 ml, wie sie für 250 ml 1+2 notwendig wären, lassen sich schlecht abmessen!
Am genausten arbeiten wir eh mit einem selbst geeichten Meßbecher. Dies kann z.B., ein hoher transparenter 200g oder 250g Becher sein, in dem Fertigpudding verkauft wird. In diesen füllen wir einmal ein: 65ml + 20ml + 40ml + 55ml (+ 95ml, wenn's noch reinpasst) und machen uns jedesmal mit einem feinen wasserfesten Filzstift eine Marke am jeweils oberen Flüssigkeitsstand für 65, 85, 125, 170 (,250) ml.
Jetzt braucht man noch einen leeren 500g Yoghurtbecher oder etwas ähnliches und nimmt die Verdünnungvorschrift wörtlich: Man misst zuerst den 1 Teil Entwickler ab, und anschließend eben 1, 2, oder 3-mal die Wassermenge und benutzt den Yoghurtbecher zum Mischen. Diese Methode ist narrensicherer als in wilde Rechnerei zu verfallen und die Wassermenge mit einer 250ml oder 500ml Mensur abzumessen. Im Kapitel über Temperatur werde ich noch zeigen, dass doch etwas mehr Rechnerei erforderlich sein kann.




Flüssigkonzentrat

Flüssigkonzentrate sind meistens für das Ansetzen von Einmalentwicklern gedacht. Wenn möglich, bevorzuge ich die höheren Verdünnungen. Bei hohen Verdünnungen (z.B. Rodinal 1+ 25 oder 1+ 50) kann man beruhigt 250ml Wasser + 5ml (10ml) oder 500ml + rechnen. Ilford gibt Verdünnungen anders an: 1+ 9, 1 + 19, 1+ 29, d.h. die Konzentratmenge ist 1 / 10, 1 / 20, 1 / 30 der Gesamtmenge. Wir können aber bei Rodinal sicher auch mit 1 + 24 und 1 + 49 arbeiten. Jeder nach seinem Geschmack. Wir justieren unseren Prozess eh ein.



Wiederholbarkeit

Wie auch immer der Entwickler angesetzt wird, entscheidend ist, dass es immer wieder auf die exakt gleiche Art geschieht. Wie ein Tennisspieler beim Aufschlag muss das ganz schematisch laufen und immer wieder gleich aussehen. Wie später noch gezeigt, müssen wir eh die Entwicklungszeit auf die eigene Umgebung einjustieren, und dabei justieren wir evtl. Fehler genau mit ein und kommen zu einem konstanten Entwicklungsergebnis.




Version: 1.2  Copyright: Rolf Süßbrich, Dortmund, 16. 12. 2005