Der Weg zur Schwärzungskurve (1)

Es soll einmal vorausgesetzt werden, dass das Grundprinzip der Bildentstehung beim Fotografieren schon verstanden ist:


Licht hat eine Wirkung auf photographische Schichten.

Ein Bild wird auf eine photographische Schicht projeziert.





Wie so oft in der Physik gilt auch bei der Belichtung: „Viel hilft viel“, d.h. mehr Licht bedeutet mehr Wirkung als eine geringere Menge Licht.

Dies soll durch nebenstehendes Diagramm angedeutet werden.

Mit höherer Belichtungsintensität werden mehr Silberkristalle angeregt und später bei der Entwicklung in metallisches Silber umgesetzt. Dieses „mehr“ bedeutet eine höhere Schwärzung der Emulsion.

Diese Zusammenhänge werden (typisiert) wie folgt dargestellt:





Die dunklen Stellen des Bilds sind die Schatten des Objekts. Sie projezieren nur wenig Licht auf den Film, und deshalb bleiben diese Zonen nach der Entwicklung hell. Die Pfeilkette in Rot zeigt die Abbildung der Schatten.

Die hellen Stellen des Bilds sind die Lichter. Diese projezieren viel Licht auf den Film, und diese Zonen werden deshalb beim Entwickeln dunkel. Die Pfeilkette in grün zeigt die Abbildung der Lichter.

Wir sehen also, die Helligkeiten „drehen sich um“. Deshalb nennt man dieses Verfahren auch Negativ-Prozess.



Wie die Physiker nun mal sind, müssen Sie auch mal über den Tellerrand hinausschauen und darüber nachdenken, was den an den Grenzen so passiert.

Es kann sein, dass im Bild Bereiche vorkommen, an die so gut wie kein Licht kommt oder wo kein Licht reflektiert wird, und deshalb sehr viel dunkler als die Umgebung sind. Diese Stellen habe ich mal „Unterschatten“ genannt. Und genauso kann es Bereiche geben, die gleißend hell sind, und diese habe ich mal „Überlichter“ getauft. In beiden Bereichen läuft die Kennlinie parallel zur X-Achse, der Belichtungsstärke. Was bedeutet dieses?

Physikalisch bedeutet dieses, das unser Film auf Änderungen der Belichtungsintensität dort nicht reagiert. Kommt man von links, aus dem Bereich der „Unterschatten“, so reicht die Lichtintensität dort noch nicht aus, auf unserem Film auch nur den geringsten Eindruck zu hinterlassen. Diese Stellen bleiben im Negativ einfach blank. Stellen wir uns vor, der Film hätte ein Gehör für Licht, dann wird an diesen Stellen viel zu leise gesprochen, um etwas hören zu können.

Umgekehrt ist im Bereich der „Überlichter“ schon jedes Silberkriställchen belichtet und entwickelt, mehr geht einfach nicht. Schwärzer als Schwarz gibt's halt nicht. Stellen wir uns den Film wieder mit Gehör für Licht vor, dann kann eben im Getöse eines startenden Düsenflugzeugs keine Unterhaltung mehr stattfinden.

Und man ahnt es schon: Der wichtige Teil der Kurve ist der schräge Bereich, der Proportionalbereich, wie der Physiker sagt, in dem eine Änderung der Belichtungsstärke eine Änderung der Schwärzung zur Folge hat.



Fassen wir zusammen:





Version: 1.1  Copyright: Rolf Süßbrich, Dortmund, 16. 12. 2005