Auf dem Weg in den Süden Frankreichs oder nach Spanien?

Und auf der Suche nach einem Zwischenstopp auf der Höhe von Lyon?

Wie wäre es hier?



Am Besten macht man den Weg (vorübergehend) zum Ziel und fährt nach Crémieu, einem kleinen Ort ca. 60 km östlich von Lyon:

Cremieu St. Hippolyte

Crémieu ist ein kleiner Ort aus dem 11. Jahrhundert an der alten Straße von Lyon nach Grenoble. In den vergangenen Jahrzehnten liebevoll in Stand gesetzt. Zahlreiche Infotafeln in Französisch, English und Deutsch erläutern die Geschichte des Orts und erklären viele Details der Bautechnik der zahlreichen historischen Gebäude:





Zum Übernachten eine Empfehlung: In der Auberge de la Chaite (dort Virtuelle Tour anklicken, falls der FlashPlayer ausgeschaltet ist und/oder bleiben soll: Hoteladresse mit weiteren Angaben) lässt's sich gut wohnen und vor allem: Essen!. Ein kleines, inhabergeführtes Hotel-Restaurant mit Geschichte. Zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert noch ein "Grand Hotel" (alte Postkarten belegen das), werden heute noch ca. 12 Zimmer angeboten, davon 2 mit zwei französichen Betten, also für 4 Personen. Alle Zimmer sind liebevoll erhalten und haben eigene Toilette und die in Frankreich in Altbauten übliche Duschzelle. Kostenloses WLAN, in Frankreich WiFi genannt, ist vorhanden.
Zum Essen geht's bei gutem Wetter abends auf die "Terasse" im eigenen Garten. Unter großen Lindenbäumen sitzt man, weitab von der Straße, neben dekorativen Blumenkübeln und genießt. Grollt der Wettergott, dann ist es im Speisesaal "wie früher": Neben einem großen Kamin, in dem im Winter ein Feuer knistert und einem riesigen alten Blasebalg ist "wie früher" eingedeckt. Man könnte erwarten, dass Émile Zola oder Jules Verne gleich um die Ecke kommen. Aber Juliette Gréco war wirklich schon hier!
In der Küche wird gezaubert: Es gibt ein kleines und ein großes Menu, mit jeweils drei Vor- und Hauptgängen. Spitze: "Magret de Canard" (Entenbrust) mit Pfirsisch und dazu "Gratin Dauphinoise" (Kartoffelgratin), Andoilette (eine Bratwurst), aber alles andere ist mindestens genauso gut. Als Käse: "Fromage Blanc à la Créme" oder die Auswahl aus einer Platte mit sehr gut ausgesuchten Käsen. Die Weinkarte führt bei fairen Preisen eine sehr gut zusammengestellte und breite Auswahl an Weinen des Bugey (s. u.) und den anderen großen Weingegenden Frankreichs. Man kann sich für die Auswahl des Weins gut beraten lassen. Zum Frühstück gibt es ausgezeichnete Marmelade aus eigener Herstellung.





Das Hotel hat einen großen Hof, in dem man den Wagen über Nacht parken kann, wenn man danach fragt. Auf Französisch oder Englisch. Für Wohnwagen oder Wohnmobile dürfte der Zugang aber schwierig werden.

Wie kommt man hin?

Von Norden: Die A42 (Dole - Bourg-en-Bresse - Lyon) an der Abfahrt Ambérieu-en-Bugey verlassen. Dort erst eine kurze Strecke nach Osten Richtung Ambérieu und am Kreisel mit der aufgeständerten Mirage nach Süden auf die D1084 fahren. Nach ca. 2 km auf die D1075 Richtung Lagnieu wechseln. Hinter Lagnieu überquert man die Rhône und fährt dann geradeaus auf die D65, die in Crémieu endet. Zeit: ca. 30 min.

Von Süden: Kommt man auf der A7, der Autoroute de Soléil, von Süden, so empfiehlt es sich, Lyon weiträumig zu umfahren. Man verlässt nach der Mautstelle (Péage) die A7 an der ersten Abfahrt (Vienne) und fährt an der Rhône entlang nach Norden nach Vienne hinein. Vorsicht: hier häufig Geschwindigkeitskontrollen. Sieht man die Brücke über die Rhone, so hält man sich rechts und biegt auf der Höhe der Brücke rechts nach Osten
auf die D41 ab, Richtung St. Jean bzw L'Isle d'Abeau. Es geht bergauf und bergab, um dann am 2. oder 3. Kreisel nach links auf die D75 Richtung L'Isle d'Abeau nach Norden abzubiegen. Der D75 folgt man, durch viele Kreisel, denn sie führt direkt nach Crémieu. Zeit: ca. 40 min.

Von Osten: Kommt man über die Schweiz auf der A41, so biegt man bei Chambery auf die A43 Richtung Lyon ab und verlässt diese bei Bourgoin-Jallieu. Man fährt auf der D1006 ein kurzes Stück nach Osten zurück (Richtund Bourgoin-Jallieu) und wechselt dann am nächsten Kreisel nach Norden auf die D522 Richtung Morestel. Nach einer Weile biegt man bei Flosaille links auf die D65 Richtung St. Hillaire ab, der man folgt. Diese geht in die D517 über und man hat kurz darauf Crémieu erreicht.

Zum Verlassen nimmt man diese Wege in umgekehrter Richtung. Hier gibt die Streckentipps zum Ausdrucken.


Das beeindruckenste Bauwerk im Ort ist die mittelalterliche Markthalle. Eine weite Holzkonstruktion mit einem Dach aus geschichteten flachen Steinen. Hier ist heute immer noch Markt (Mittwochs).

Im Hintergrund sieht man die Ruinen von St. Hippolyte, den Resten einer wehrhaften Siedlung und der eigentliche Stadkern. Ein schöner Spaziergang führt dorthin.

Nicht mehr benutzt werden aber die alten "Setier", die runden, ausgeriebenen Steine. Diese dienten einst als Ständer für Fässer. Für Etymologen: siehe das englische "to set", denn hier wurden Fässer draufgesetzt.







In Crémieu kann man einige Stunden herumbummeln. Neben dem Rathaus gibt es ein altes Kloster, in dessen Rundgang man tagsüber vor der Sonne beim Lauschen des Plätscherns eines Springbrunnens etwas Schutz suchen kann. Verwinkelte Treppchen führen auf den Schlossberg - das Schloss
, in Privatbesitz, kann man nicht besichtigen - , aber man hat von dort den grandiosen Blick über die Stadt wie auf dem großen Panorama oben gezeigt. Geht man von dort nach Osten abwärts und überquert die Straße, so findet man den Zugang zu dem Hügel mit den Ruinen von St. Hippolyte, in denen man längere Zeit herumstreifen kann und auch wieder schöne Blicke auf die Stadt werfen kann.

Aber, es wäre viel zu kurz, in dieser Gegend
als Zwischenstopp nur eine Nacht zu verbringen.

Crémieu liegt im Westen des Bugey, einer Region, deren Grenzen nicht so richtig festliegen. Es beginnt irgendwo östlich von Lyon und zieht sich nach Osten bis über den Lac de Bourget hin. Typisch in der etwas gebirgigen Gegend sind die aus dem Grün herausrageden freiliegenden Felswände.

Für Ausflüge kann man mit bis zu einer Stunde Fahrzeit (Hinweg) ein großes Gebiet erkunden: Im Westen ist man dann im Beaujolais bzw. südlichen Burgund, im Osten in den Voralpen mit den großen Seen, im Süden im wilden Vercors. Kaufen Sie sich eine Straßenkarte der Gegend, im Maison de la Presse, egal ob von Michelin oder dem staatlichen IGN. Aber der Maßstab sollte 1:200.000 nicht unterschreiten, es wird dann zu ungenau.

In der Nähe lohnt sich im Norden ein Besuch der Grotte de la Balme, einer schön erschlossenen Tropfsteinhöhle, in der man etwa eine Stunde verbringt.

Eindrucksvoll große mittelalterliche Fresken kann man in St. Chef besichtigen, südöstlich von Crémieu.
 
Im Osten liegt Morestel, und nordöstlich davon Brangues. Hier gibt es ein kleines Museum zur Erinnerung an zwei berühmte Personen: Stendhal hat in seinem berühmten Roman "Le Rouge et le Noir" ein Geschehen (L'affaire Berthet) aus diesem Ort verarbeitet, der Dichter und Diplomat Paul Claudel hat hier einige Jahre gelebt. Für französisch sprechende und kulturell interessierte Besucher.
Bewegend: die Gedenkstätte für die Kinder von Izieu (Mémorial des enfants d'Izieu). Von Morestel nach Osten auf der D33, über die Rhône und rechts die D10 und später die D19 nehmen. Hier wurden während der deutschen Besatzung ab 1940 Kinder jüdischer Eltern vor allem aus Osteuropa in einem kleinen Internat versteckt. Kurz vor Ende der Besatzung bekamen die deutschen Besatzer unter Barbie Kenntnis davon und verschleppten alle Bewohner in Vernichtungs-KZs. Die Gedenkstätte wurde auf Betreiben von Francois Mitterand eingerichtet und 1994 eröffnet. Sie hat in Frankreich Feinde, weil bei den ausgestellten Dokumenten in der Scheune (rechts) das Thema Collaboration deutlich sichtbar wird. Ergreifend ist der Besuch der Schule (links): Man hat den Eindruck, die Kinder waren gestern noch da und werden gleich wiederkommen. Reinhard Mey hat diesen Kindern ein Lied gewidmet.
Weitere Ausflüge:
Vielleicht hat am Vorabend in der Auberge ein Wein der Beaujolais Villages, ein Chiroubles, ein St. Amour, ein Julénias oder einer anderen Lage so gut geschmeckt, dass man mehr davon will. Auf den Etiketten steht der Winzer und seine Adresse, hinfahren lohnt sich! Es geht allgemein in Richtung Nordwesten. Nach Westen verlässt man Cremieu und fährt an der Ampel (die einzige im Ort) rechts. Immer geradeaus, Richtung Loyette. Die Rhone ist bereits überquert, wenn man im Ort oder an dessen Ende nach links auf die D65 wechselt und Richtung St. Jean-de-Niost fährt. Dieser Straße folgt man bis Meximieux und fährt in die Stadt hinein.
Man findet Pérouges ausgeschildert, ein pittoresk hergerichtetes altes Dorf auf einem Hügel. Mitterand hat 1996 Bill Clinton
hierhin geführt. Der Ort ist eine Ansammlung von Kunstgewerbebetrieben und -Läden; zahlreiche kleine Restaurants werben um Gäste. Schulkindergruppen werden von FührerInnen in alten Gewändern betreut. Man muss selbst eintscheiden, ob man es besucht.
Der Weg ins Beaujolais führt als Hauptstraße weiter durch Meximieux auf die D22a nach Chalamont, wo man im Zentrum nach links (Westen) auf die D7/D904 abbiegt und sich nach kurzer Strecke wieder rechts hält, um auf der D7 zu bleiben. Jetzt geht es durch die Seen-Landschaften der Bresse Richtung Châtillon und kreuzt dabei die D1083. Durch Châtillon fährt man hindurch und gegen Ortsende fährt man links weiter auf der D7 Richtung St.Didier / Thoissy. Man bleibt immer auf der D7 und überquert am Ende die Saône auf einer schmalen Brücke. Die D7 wird zur D9, und wenn man immer geradeaus fährt, die D306 überquert, gelangt man in die Villages des Beaujolais. Dafür braucht man eine gute Stunde. Leider haben viele Winzer über Mittag ihren Cave zugesperrt.
Die Gestaltung von Ausflügen nach Osten sollte man etwas vom Wetter abhägig machen.

Es locken die beiden großen Seen: Der Lac du Bourget und der Lac d'Annecy. Beide erreicht man u. a. über die Autobahn. Man fährt von Crémieu nach Osten und fährt bei Bourgoin-Jallieu auf die A43 Richtung Chambery/Annecy. Für den Lac du Bourget verlässt man diese bei Aix-les-Baines.

Bei Kaiserwetter kann man die Fahrt zum Lac du Bourget variieren, um einen Blick von oben auf den See und die Alpen zu werfen.  Details findet man auf der Seite über den See.
Oder man fährt nach Osten und Belley, von dort weiter nordwärts auf der D1504, wechselt auf die D31 und dann auf die D907, die man Ameyzieu verlässt um D105 und D120 auf den Grand Columbier zu fahren. Die alte Regel gilt: Man fährt nur auf einen Berg, wenn man von unten den Gipfel klar sehen kann! Sonst sieht man von oben nur Dunst. Hat man die kurvige und steile Anfahrt auf die 1500 Meter überwunden, kann man mit einem traumhaften Blick auf die Alpen rechnen, mit dem Mont Blanc in ca. 80 km Entfernung, auf Annecy und den See, und, und, und. Ein Fernglas könnte hilfreich sein. Ein Beispiel:


Bilder und Text: Copyright Rolf Süßbrich, Dortmund, 2015;  Version der Seite: 1.04 vom 04.09.2015.
Bei Interesse können die Bilder auch in höherer Auflösung bereitgestellt werden. Die Empfehlungen erfolgen nach bestem Wissen, aber ohne Gewähr.